Kress Report 20.07.2009

Belebung für TV-Standort München
ANNETTE REEKER SUCHT DIE ARCHE NOAH von Rupert Sommer

Kräftiger Rückenwind für Annette Reeker (Foto): Die ursprünglich Kölner TV-Produzentin, die seit Jahresbeginn mit ihrer Neugründung all in production auf dem Film- und Fernsehmarkt München mitmischt, hat von RTL grünes Licht für einen ambitionierten neuen Mysteryschinken erhalten. Aktuell läuft die heiße Vorproduktionsphase für „Das Vermächtnis der Arche“, einen RTL-Endzeitthriller, den Reeker in Ostanatolien, auf Malta, in Italien und in Deutschland drehen wird. Die Kölner haben die Vorproduktion bereits freigegeben. Aktuell läuft das Casting für den international ausgerichteten Event-Spielfilm auf Hochtouren, ebenso wie die Location-Suche und die Detailplanung der aufwändigen CGI-Effekte. „Das Vermächtnis der Arche“ basiert auf dem bei Ullstein verlegten Biotechnologiethriller von RRichard Hayer, zu dem sich Reeker die Rechte gesichert hat. Erzählt wird eine temporeiche Weltrettungshatz im Dan-Brown- bzw. „Indiana-Jones“-Stil, die den Zuschauern zwar die üblichen Zugeständnisse bei der Handlungslogik abverlangt, aber auch durchaus zeitgemäße Themen in die Abenteuerhandlung einwebt. An Bord der biblischen Arche, die in einem heute unter Wasser liegenden armenischen Kloster aufgespürt werden soll, befindet sich nämlich der gesamte Gen-Pool der Schöpfung. Und der darf natürlich nicht in die falschen Hände geraten. Zweites Großprojekt von Annette Reeker, die in der Münchner Georgenstraße ein dreiköpfiges Produktionsbüro betreibt, ist die satirische Komödie „Operation Kanzlerreise“, die soeben eine Drehbuchförderung der FFF erhalten hat. Reekers Drehbuchautor Nils Morton-Osburg („Kennedys Hirn“) feilt derzeit an dem humorvollen deutsch-deutschen Politstoff, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Als Kanzler Helmut Kohl 1988 bei der DDR-Staatsführung eine rein private Ost-Reise anmeldete, löste dies im Stab um Erich Honecker hektische Betriebsamkeit aus. Unter allen Umständen wollte man ein „zweites Erfurt“ und allzu menschelnde Begegnungen zwischen  frustrierten Ostlern und dem jovialen Dicken vermeiden. Also wurde nicht nur rund um Kohl eine potemkinsche Inszenierung nach nord-koreanischen Vorbild inszeniert – mit Stasi-Mitarbeitern als angeblich zufälligen Passanten. Reeker lässt sogar für Kohl ein Double zum Einsatz kommen, das dann allerdings die Stasi zum Schwitzen bringt. Erinnerungen an Filmhits wie „Good Bye, Lenin“ oder die Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ sind natürlich durchaus intendiert. Für das Filmprojekt plant Reeker eine Kinoauswertung. Reeker machte sich in der Branche vor allem als Comedy-Spezialistin einen Namen. Mit ihrer Kölner Produktion Visuelle GmbH produzierte sie einst die Satiresendung „Switch“. Ebenfalls für ProSieben verantwortete sie die beiden Staffeln der Comedyserie „Alles außer Sex“. Daher überrascht es nicht, dass sie auch ein ProSieben-typisches Fernsehfilmprojekt vorbereitet. Es dürfte auf dem Frauenbuch-Bestseller „Kein Sex ist auch keine Lösung“ von Mia Morgowski (Rowohlt) basieren, zu dem Reeker ebenfalls die Rechte hält. Volles Programm in München-Schwabing also.

Rupert Sommer